Karl Bernhard Wessely

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Profil.png Profil: Wessely, Karl Bernhard
Namen Wessely, Carl Bernhard
Beruf deutscher Komponist
Persönliche Daten
1. September 1768
Berlin
11. Juli 1826
Potsdam


Karl Bernhard Wessely (auch Carl Bernhard Wessely; * 1. September 1768 in Berlin; gest. 11. Juli 1826 in Potsdam) war ein deutscher Komponist, Pianist, Dirigent, Musikschriftsteller und preußischer Beamter.

1 Leben

Carl Bernhard Wessely war der älteste Sohn von Naphtali Hirtz (Hartwig) Wessely und Sara Simon. Sein Vater gehörte zur ersten Generation jüdischer Aufklärer in Deutschland und gilt als der bedeutendste hebräische Dichter der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts. [1] In seinem gebildeten jüdischen Elternhaus verkehrten angesehene Gelehrte und Schriftsteller wie K. W. Ramler, J. J. Engel, Lessing und sein Pate Moses Mendelssohn. Dies dürfte einen nicht geringen Einfluss auf seine geistige Entwicklung gehabt haben. Carl Bernhard interessierte sich früh für Musik und erhielt eine musikalische Ausbildung bei Johann Abraham Peter Schulz. Bei der ersten Berliner Aufführung von Händels Messias im Jahr 1786 war er in der Gruppe der zweiten Violinisten beteiligt. [2] Im Jahr 1787 ging er nach Hamburg und führte dort die Krönungskantate für den preußischen Königs Friedrich Wilhelm II. auf. Ein Jahr später wurde er zweiter Kapellmeister des Berliner Nationaltheaters. Im Jahr 1796 wurde er Hofkapellmeister des Prinzen Heinrich von Preussen in Rheinsberg. Im Jahr 1802 beendete Wessely nach dem Tod seines Arbeitgebers aus familiären Gründen seine Musikkarriere und wurde Expedient bei der kurmärkischen Kammer. Im Jahr 1809 steig er aus dieser niederen Beamtenposition auf und wurde nach Potsdam versetzt. Dort war er zusammen mit dem Justizstaatssekretär Mödinger Gründer einer Musikgesellschaft. Als er im Jahr 1816 nach Magdeburg versetzt werden sollte, bewirkte der Musikverein beim König persönlich seine Rückversetzung. Wessely leitete den Verein dann bis zu seinem Tod. [3]

2 Werk

Wessely trat bereits 1786 öffentlich als Komponist und Interpret hervor. Die Zeitungen erwähnten ihn und sein Spiel mehrmals. Er war bei seinen Zeitgenossen ein angesehener Pianist und Komponist. Als Pianist und Violinist verfügte er über große Fähigkeiten. So wurde in der Presse bsp. ausdrücklich die Aufführung eines technisch schwierigen Klavierkonzerts von W.A. Mozart durch Wessely im Jahr 1793 positiv hervorgehoben. [4] So schrieb z.B. Elise Reimarus im Jahr 1787 aus Hamburg:

"Gegenwärtig ist ein ebenfalls Hofnungs voller junger Mann, nemlich der junge Wessely aus Berlin bey uns, dessen angehendes Verdienst in der Musik Ihnen aus der Trauermusik auf Unsern verewigten Mendelssohn bekannt seyn wird. Eine zweite Musik auf die Huldigungs Feyer, und diese soll schon ein Meisterstück seyn, wird hoffentlich nächstens aufgeführt werden, da Kenner und unter diesen Bach selbst, ihn dazu auffordern." [5]

Seine Werke erinnern an Wolfgang Amadeus Mozart, Christoph Willibald Gluck und seinen Lehrer J.A.P. Schulz. Sie zeichnen sich durch eine schlichte und empfindsame Melodik, einfache Harmonik und klare Formbildung aus, ohne allerdings durch besondere Originalität hervorzustechen. Trotzdem waren sie bei seinen Zeitgenossen sehr beleibt. [6] Er komponierte neben Komischen Opern, Schauspiel- und Balletmusiken, die Trauerkantate Sulamith und Eusebia auf den Tod Moses Mendelssohns, eine Trauermusik zum Tode Prinz Friedrich Heinrich Ludwigs von Preußen im Jahr 1802. [7] [8] sowie Klaviermusik ,[9], Lieder [10] sowie Quartett und Triomusik. [11] Er war mit Unterstützung Carl Phillip Emanuel Bachs im Jahr 1787 der erste jüdische Komponist von dem Werke in Hamburg öffentlich aufgeführt wurden. [12] Wessely gehörte auch neben Bernhard Flies, Friedrich Fleischmann und Friedrich Heinrich Hummel zu denjenigen Komponisten welche den Text des lange Zeit unter Mozarts Namen laufenden Wiegenliedes Schlafe, mein Prinzchen von Friedrich Wilhelm Gotter vertonten. [13]

Wessely war auch als Muskikschriftsteller aktiv. Über Mozart und Gluck schreib er im Jahr 1795 einen Aufsatz in der Zeitschrift Archiv der Zeit. Auch für die Allgemeine Musikalische Zeitung schrieb er Beiträge. Er äußerte sich dabei unter anderem kritisch über den seiner ´Meinung nach falschen Einsatz der Bläsergruppe, die Vernachlässigung der musikalischen Formgesetze in der Musik, die Situation der zeitgenössischen italienischen und französischen Musik und zum Problem des Plagiats in der Musik. Er trat auch mit der Forderung nach "guten lyrisch-dramatischen Nationalwerken" im Bereich der Oper hervor. [14]

3 Einzelnachweise

  1. Von Christoph Schulte: Die jüdische Aufklärung - Philosophie, Religion, Geschichte, C.H. Beck, München, 2002, S. 63 und 65
  2. Friedrich Blume und Ludwig Finscher (Hrsg.): MGG, 1. Aufl., Band XIV, Verlag Bärenreiter, Oktober 1989 nach der Auflage von 1968, S. 505
  3. Friedrich Blume und Ludwig Finscher (Hrsg.): MGG, 1. Aufl., Band XIV, Verlag Bärenreiter, Oktober 1989 nach der Auflage von 1968, S. 505
  4. Grove Dictionary of Music and Musicians, Band 18, 1980, S. 317
  5. Zitiert nach Almut Spalding: Elise Reimarus (1735-1803) - The Muse of Hamburg, Königshausen & Neumann, Würzburg, 2005, S. 273
  6. Friedrich Blume und Ludwig Finscher (Hrsg.): MGG, 1. Aufl., Band XIV, Verlag Bärenreiter, Oktober 1989 nach der Auflage von 1968, S. 505 und 506
  7. Eckhard John und Heidy Zimmermann (Hrsg.): Jüdische Musik?, Böhlau Verlag, Köln, 2004, S. 36
  8. Die Krönungsmusik und die Kantate zu Mendelssohns Tod sind beide auf Texte Karl Wilhelm Ramlers komponiert. Siehe Karl Wilhelm Ramlers poetische Werke, II. Teil, Sandersche Buchhandlung, Berlin, 1825 S. 26-43; Online auf Google Book Search
  9. Z.B. Variationen für Klavier über eine Air aus Glucks Oper Armide im Jahr 1799 oder Variationen für Klavier über God Save the King im Jahr 1795.
  10. Z.B. 12 Lieder für Gesang und Klavier nach Gedichten von Friedrich von Matthisson im Jahr 1793.
  11. Die Zuordnung dieser Werke zu Carl Bernhard Wessely ist allerdings fraglich
  12. Friedrich Blume und Ludwig Finscher (Hrsg.): MGG, 1. Aufl., Band XIV, Verlag Bärenreiter, 2007, S. 505
  13. Friedrich Blume und Ludwig Finscher (Hrsg.): MGG, 1. Aufl., Band XIV, Verlag Bärenreiter, 2007, S. 506
  14. Friedrich Blume und Ludwig Finscher (Hrsg.): MGG, 1. Aufl., Band XIV, Verlag Bärenreiter, 2007, S. 506

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