Die Geschichte vom Juden Abraham der zum Christentum konvertiert (Bocaccio)

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Die Geschichte vom Juden Abraham der zum Christentum konvertiert ist eine Erzählung aus dem zwischen 1349 und 1353 enstandenen Decamerone, einer Sammlung von 100 Novellen, des italienischen Frührenaissancedichters Giovanni Boccaccio. Es ist die zweite Novelle (Novella Seconda) aus den 10 Geschichten des ersten Tages (Prima giornata). Sie heißt im Original "Abraam giudeo, da Giannotto di Civignì stimolato, va in corte di Roma; e veduta la malvagità de’ cherici, torna a Parigi e fassi cristiano." [1] In das Deutsche wurde sie u.a. mit "Abraham, ein Jude, geht auf Anregung Jeannot von Civignis an den römischen Hof, sieht da das lasterhafte Leben der Geistlichen, kehrt nach Paris zurück und wird Christ". [2] Die Novelle thematisiert anhand der Überlegungen des Juden Abraham zum Christentum zu konvertieren kritisch den schroffen Gegensatz zwischen einem christlich orientierten und auch von der Kirche eingefordertem christlichen Verhalten und dem lasterhaften und unchristlichen Lebenswandel der damaligen römischen Geistlichkeit. Trotz dieser unverblümten und harschen Kirchenkritik ist das Fazit der Novelle, dass die christliche Religion sich immer mehr ausbreitet und dabei zunehmend aufgeklärter wird, was ihre Richtigkeit und Überlegenheit gegenüber Judentum und Islam eindrucksvoll unter Beweis stellt.

1 Inhalt

Der rechtschaffene Pariser Kaufmann Jeannot von Civigni machte sich Sorgen, dass die Seele seines jüdischen Freundes und Berufskollegen Abraham wegen dessen Beharren im falschen jüdischen Glauben der Verdammnis entgegen geht. Er bat ihn also freundschaftlich, die Irrtümer der jüdischen Lehre zu verlassen und sich zur Wahrheit der christlichen Religion zu bekennen. Abraham antwortete ihm, dass er keine Religion für heiliger und besser halte als die jüdische die er auch gedenke beizubehalten. Jeannot gab sich damit allerdings nicht zufrieden und versuchte Abraham noch mehrmals zu einem Religionswechsel zu bewegen. Schließlich ließ sich Abraham überzeugen und verkündete er wolle zum Christentum konvertieren. Vorher wolle er allerdings nach Rom reisen und Lebensart, Worte und Handlungen der dortigen Geistlichkeit beobachten. Könne er dann aus deren Reden und Verhalten schließen dass der christliche Glaubebesser als der jüdische Glaube sei, würde er konvertieren. Da Jeannot die moralische Verderbtheit der römischen Geistlichkeit bekannt war, versucht er Abraham von seiner Reise abzubringen.

2 Einzelnachweise

  1. Die zweite Novelle im italienischen Original auf it.wikisource.org
  2. Giovanni Bocaccio: Das Decameron, neubearbeitet von Johannes von Guenther nach einer in St. Petersburg im Jahr 1782-1784 erschienenen Übersetzung von August Gottlieb Meißner, P. P. Kelen Verlagsgesellschaft, 1961, S. 33-37

3 Andere Lexika

Wikipedia kennt dieses Lemma (Die Geschichte vom Juden Abraham der zum Christentum konvertiert (Bocaccio)) vermutlich nicht.